Pressebericht | 30. April 2003
"Ein kleines Welttheater" hat Carl Orff seine 1937 nach dem Märchen der Brüder Grimm komponierte Oper "Der Mond" genannt. Obwohl dieses "theatrum mundi" auf ein einfaches Szenario " Erde und Unterwelt " reduziert ist und das Märchen aus ganz schlichter, einfacher Kindersicht erzählt, ist eine Aufführung des kurioserweise selten gespielten Werks ein aufwendiges Unternehmen. Zumindest für Laien, denn diese Oper stellt höchste musikalische Ansprüche und erfordert von den Akteuren viel Sinn für Orffs feine Parodiekunst.
Zum zweiten Mal wagte sich eine Gemeinschaft von mehreren Fachbereichen der Uni an eine szenische Aufführung. Montag- und Dienstagabend verwandelten Uni-Chor und -Orchester und Studierende des Instituts für Textilgestaltung, die für Bühnenbild, Requisiten und Kostüme verantwortlich waren, das Audimax in ein Theater. Es waren umjubelte Aufführungen.
Spielfreudig stolperten die vier Burschen (Henning und Jan Buhr, Sascha Böddecker und Michael Dahmen) in das volkstümliche Mysterienspiel, um den Mond zu stehlen. Ebenso vital und mit spürbarer Lust am Spiel belebte der Kinderchor "Die Zauberlehrlinge" die Szene.
Wie einer Kinderfantasie oder einem bunten Bilderbuch entsprungen haben die Studierenden Bühnenbild und Kostüme entworfen. Hübsch war der Petrus (Jörg von Wensierski) mit blauen Locken, originell und mit viel Liebe zum Detail haben die angehenden Kunstlehrer das Gelage der Toten in der Unterwelt ausgestattet. Viele sehr schöne Momente hatte die Inszenierung von Silke Möckel, zum Beispiel den Auftritt von Petrus, der das wilde Treiben der Toten unterbricht und die Leichen in Zeitlupe agieren lässt.
Als Komponist der "Carmina burana" lässt sich Orff in dieser Oper nicht verleugnen. Oft klingt dieses bekannteste Werk des Komponisten am ohrenfälligsten in den Trinkliedern der Toten. Sehr präzise deklamierte der Unichor (Einstudierung: Reinhard Fehling), der zum Teil auf der Bühne in Kostümen agierte, zum Teil neben dem Orchester vor der Bühne saß, Orffs rhythmisch inspirierte Musik. Ebenso vorzüglich und exakt musizierend hörte man das Uniorchester in dieser von Werner Seiss geleiteten Aufführung. Die stimmlich anspruchsvollste Partie des Erzählers, der fast durchweg in hoher Lage singen muss, hatte Thomas Körner übernommen.
Diese Inszenierung war "kleines Welttheater" mit großer Professionalität.
JG
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